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Man kann das Üben von Taiji Quan bzw. Qigong
mit der Arbeit im Garten vergleichen: Im Rhythmus des Pflanzens,
Wachsens und Gedeihens, des Erntens, Schwindens und der Ruhephasen
bewegen sich Körper und Geist im lebendigen Wechsel von Spannung
und Entspannung, Aktion und Gewährenlassen, Ausdehnung und
Rückkehr zum Ursprung.
Der Garten als Ort des Übergangs
Der Garten ist da,
wo sich die innere und die äußere Welt
begegnen.
Novalis
Der Garten als Glücksort
Wer einen Tag glücklich sein willst, der trinke!
Wer eine Woche glücklich sein will, der schlachte ein Schwein!
Wer ein Jahr glücklich sein will, der heirate!
Wer immer glücklich sein will, der werde Gärtner!
Chinesisches Sprichwort
Der chinesischen Philosoph und Schriftsteller Dschuang Dsi (ca.
365 - 290 v. Chr., auch: Zhuangzi) benutzte oft Bilder aus der
Landarbeit, um Prinzipien zu beschreiben, die auch im Taiji angewendet
werden. Seine Texte bilden einen Höhepunkt daoistischer Philosophie.
Hier folgen zwei, zu finden in Dschuang Dsi: Das wahre Buch vom
südlichen Blütenland, Diederichs Gelbe Reihe 2002.
GANZ SEIN, SELBST SEIN, SICH NICHT BENUTZEN LASSEN
Der knorrige Baum
Meister Ki vom Südweiler wanderte zwischen den Hügeln
von Schang. Da sah er einen Baum, der war größer als
alle andern. Tausend Viergespanne hätten in seinem Schatten
Platz finden können. Der Meister Ki sprach: "Was für
ein Baum ist das! Der hat gewiß ganz besonderes Holz."
Er blickte nach oben, da bemerkte er, daß seine Zweige krumm
und knorrig waren, so daß sich keine Balken daraus machen
ließen. Er blickte nach unten und bemerkte, daß seine
großen Wurzeln nach allen Seiten auseinandergingen, so daß
sich keine Särge daraus machen ließen. Leckte man an
einem seiner Blätter, so bekam man einen scharfen, beißenden
Geschmack in den Mund; roch man daran, so wurde man von dem starken
Geruch drei Tage lang wie betäubt.
Meister Ki sprach: "Das ist wirklich ein Baum, aus dem sich
nichts machen läßt. Dadurch hat er seine Größe
erreicht. Oh, das ist der Grund, warum der Mensch des Geistes
unbrauchbar für das Leben ist."
AUS SEINER NATUR HERAUS HANDELN, SICH TREU BLEIBEN
Der Gärtner
Als Dsi Gung durch die Gegend nördlich des Han-Flusses kam,
sah er einen alten Mann, der in seinem Gemüsegarten beschäftigt
war. Er hatte Gräben gezogen zur Bewässerung. Er stieg
selbst in den Brunnen hinunter und brachte in seinen Armen ein
Gefäß voll Wasser herauf, das er ausgoß. Er mühte
sich aufs äußerste ab und brachte doch wenig zustande.
Dsi Gung sprach: Da gibt es eine Einrichtung, mit der man an einem
Tag hundert Gräben bewässern kann. Mit wenig Mühe
wird viel erreicht. Möchtet Ihr die nicht anwenden? Der Gärtner
richtete sich auf, sah ihn an und sprach: Und was wäre das?
Dsi Gung sprach: Man nimmt einen hölzernen Hebelarm, der
hinten beschwert und vorne leicht ist. Auf diese Weise kann man
das Wasser schöpfen, daß es nur so sprudelt. Man nennt
das einen Ziehbrunnen.
Da stieg dem Alten der Ärger ins Gesicht, und er sagte lachend:
Ich habe meinen Lehrer sagen hören: Wenn einer Maschinen
benutzt, so betreibt er alle seine Geschäfte maschinenmäßig;
wer seine Geschäfte maschinenmäßig betreibt, der
bekommt ein Maschinenherz. Wenn einer aber ein Maschinenherz in
der Brust hat, dem geht die reine Einfalt verloren. Bei wem die
reine Einfalt hin ist, der wird ungewiß in den Regungen
seines Geistes. Ungewißheit in den Regungen des Geistes
ist etwas, das sich mit dem wahren Sinn nicht verträgt.
Nicht daß ich solche Dinge nicht kenne, ich schäme
mich, sie anzuwenden.
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